CORIOLAN

William Shakespeare

Premiere 16.9.2016

Akademietheater im Burgtheater

Kritiken:

Carolin Pienkos rettet Wiens Bühnenehre mit Shakespeares Coriolan im Akademietheater.
In der Titelrolle des mythischen Feldherrn Caius Martius, später mit dem Cognomen Coriolanus geehrt, nimmt man Cornelius Obonya den stur-kindsköpfigen alten Römer nicht wegen seiner Physis ab, sondern wegen seiner Person. Nicht die strenge Militäruniform, auch nicht die Glatze, nein, die herrische Stimme und dann die verzweifelte Einsicht in sein Fehlverhalten, als ihn sein alter Erzfeind und zeitweiliger Verbündeter Tullus Aufidius als Muttersöhnchen verhöhnt, legen Zeugnis von seiner Interpretationskunst ab. Seine Mutter spielt auch seine Mutter: Elisabeth Orth, gekleidet gleichfalls im schwarzen Anzug, feierlich mal auch mit Pelzstola, stattet die den Sohn allzeit beherrschende Volumnia mit Überzeugung und gerade genug Demut aus, um vor ihm in den Staub zu sinken, um ihn so flehend daran zu hindern, in seinem Rachedurst die Heimatstadtzu vernichten.(...) Ein logisch stringenter, kühl berechnender und berechneter Abend dieser späten Shakespeare-Tragödie, die auf deutschsprachigen Bühnen nicht allzu oft zu sehen ist. (FAZ, MARTIN LHOTZKY, 29.9.16)
 

 

Coriolan in der Falle des Populismus. Shakespeares Coriolan" im Akademietheater: ein Kammerspiel
mit grandiosen Akteuren
Im Akademietheater stellt Regisseurin Carolin Pienkos für ein intensives Kammerspiel der späten Tragödie William Shakespeares ein brillantes Ensemble zur Verfügung. (...) Wir befinden uns in Shakespeares sperrigem Ideendrama Coriolan", für das Carolin Pienkos in ihrer Inszenierung zeitgemäße Anspielungen gefunden hat. (...)Verhandelt wird, wie ein Staat funktionieren soll, Volk und Führung sich arrangieren. Das ist stets aktuell(...)
Was also hat Pienkos aus dieser Versuchsanlagevon Staat und Revolution gemacht? Ein intensives, dreistündiges Kammerspiel, das von großartigen Schauspielern lebt, vor allem in der Verdichtung nach der Pause. Am Anfang nämlich, und das ist der einzige große Einwand, gibt es allzu viel Ablenkung. (...)Doch dieses Ensemble kommt mühelos ohne solch Beiwerk aus, es bietet fantastisches Theater. Als dubioser Titelheld steigert sich Cornelius Obonya in unglaubliche Intensität. Wenn er mit Politikern redet, verströmt er Unsicherheit,wenn er dem Volk begegnet, Aggression.Im Krieg scheint er Erfüllung zu finden, ganz menschlich aber wird er bei der Begegnung mit seiner Mutter, Volumnia, die von (seiner wirklichen Mutter) Elisabeth Orth gespielt wird. Volumnia, früh verwitwet, hat den einzigen Sohn zum Helden geformt. Jede Geste zwischen den beiden verrät, wer hier das Sagen hat. Sie will ihn als Konsul sehen, doch eines hat die Mutter bei diesem heiklen politischen Kalkül nicht berechnet: Coriolan kann nicht herrschen, weil er so unbeherrscht ist. Weder die Hilfe des geschmeidigen väterlichen Freunds Menenius Agrippa (Martin Reinke), noch jene des alten Konsuls Cominius (Bernd Birkhahn) vermögen diese Schwäche mit blendender Rhetorik abzugleichen. Am Ende verlangt die dominante Natter ein weiteres Opfer vom Sohn. Die Volkstribunen haben leichtes Spiel: Sylvie Rohrer brilliert als Sicinia Veluta. Sie erweckt Hass. Hermann Scheidleder überzeugt als Junius Brutus - ein feiger Funktionär, der Verachtung hervorruft. Diese populistischen Spin-Doktoren wollen Coriolan beseitigen, sie fürchten seine unberechenbare Macht und drücken die richtigen Knöpfe. Der Held wird zum Antihelden und muss zur Strafe in die Verbannung.Er schließt sich dem alten Feind an, dem Volsker Tullus Aufidius Markus Meyer und Obonya zelebrieren diese seltsamen Szenen einer Männerfreundschaft hemmungslos. Coriolan ist im vertrauten Umfeld: Krieg! Es geht gegen Rom. Er merkt zu spät, dass auch der neue Partner Intrigen spinnt. Wer aber rettet Rom? Noch einmal muss die Mutter agieren, sie bittet um Verschonung der Stadt und verlangt dafür ein weiteres Opfer vom Sohn, das[ größte. Ihre Körpersprache sagt, dass beide längst wissen, welche Ungeheuerlichkeit nun geschehen wird.(DIE PRESSE, NORBERT MAYER, 18.9.16)
 

 

Macht und Ohnmacht
Eine höchst zeitgemäße Parabel über Macht, Ohnmacht, Militär und Politik also, die Regisseurin Carolin Pienkos in einer nicht näher bestimmten Gegenwart (Kostüme: Heide Kastler) verortet. (...)Waterboarding und etwas Folter werden (eher dezent) angedeutet, ein an Brecht gemahnender Chor darf zu Beginn als klagendes Volk Aufstellung beziehen. Sonst setzt Pienkos weitgehend auf ihre Darsteller und auf die Sprache Shakespeares. Und die ist beim Ensemble des Burgtheaters in der (Übersetzung von Rainer Iwersen) naturgemäß in besten Händen. DER KURIER, PETER JAROLIN18.9.16
 
Carolin Pienkos inszenierte Shakespeares „Coriolan“ als gegenwärtiges, politisches Drama (...) Mit Anspielungen an aktuelle Ereignisse – wie Wahlzettel – erarbeitete Pienkos ein fein ziseliertes politisches Schauspiel in kurzen Szenen. NEWS, 17.9.16
 

Cornelius Obonya stellt eine kraftvolle Persönlichkeit aufdie Bühne desAkademietheaters und zwingt sein Publikum in jedem Augenblick, ihm zu folgen. Natürlich wird vor allem das Zusammenspiel von Mutter und Sohn mit Argusaugenverfolgt und ist, als programmiertes Highlight, bis zur kleinsten Handbewegung ausinszeniert. Und natürlich beeindruckt Orth als Volumnia, eine dieser selbstbezogenen Heldenmütter, die den Tod ihrer Söhne im Sinn eines höheren Zieles als Opfer verstehen wollen. Anerkennender Premierenapplaus.TIROLER TAGESZEITUNG, BERNADETTE LIETZOW, 18.9.16

 

Kritiken:

Carolin Pienkos rettet Wiens Bühnenehre mit Shakespeares Coriolan im Akademietheater.
In der Titelrolle des mythischen Feldherrn Caius Martius, später mit dem Cognomen Coriolanus geehrt, nimmt man Cornelius Obonya den stur-kindsköpfigen alten Römer nicht wegen seiner Physis ab, sondern wegen seiner Person. Nicht die strenge Militäruniform, auch nicht die Glatze, nein, die herrische Stimme und dann die verzweifelte Einsicht in sein Fehlverhalten, als ihn sein alter Erzfeind und zeitweiliger Verbündeter Tullus Aufidius als Muttersöhnchen verhöhnt, legen Zeugnis von seiner Interpretationskunst ab. Seine Mutter spielt auch seine Mutter: Elisabeth Orth, gekleidet gleichfalls im schwarzen Anzug, feierlich mal auch mit Pelzstola, stattet die den Sohn allzeit beherrschende Volumnia mit Überzeugung und gerade genug Demut aus, um vor ihm in den Staub zu sinken, um ihn so flehend daran zu hindern, in seinem Rachedurst die Heimatstadtzu vernichten.(...) Ein logisch stringenter, kühl berechnender und berechneter Abend dieser späten Shakespeare-Tragödie, die auf deutschsprachigen Bühnen nicht allzu oft zu sehen ist. (FAZ, MARTIN LHOTZKY, 29.9.16)
 

 

Coriolan in der Falle des Populismus. Shakespeares Coriolan" im Akademietheater: ein Kammerspiel
mit grandiosen Akteuren
Im Akademietheater stellt Regisseurin Carolin Pienkos für ein intensives Kammerspiel der späten Tragödie William Shakespeares ein brillantes Ensemble zur Verfügung. (...) Wir befinden uns in Shakespeares sperrigem Ideendrama Coriolan", für das Carolin Pienkos in ihrer Inszenierung zeitgemäße Anspielungen gefunden hat. (...)Verhandelt wird, wie ein Staat funktionieren soll, Volk und Führung sich arrangieren. Das ist stets aktuell(...)
Was also hat Pienkos aus dieser Versuchsanlagevon Staat und Revolution gemacht? Ein intensives, dreistündiges Kammerspiel, das von großartigen Schauspielern lebt, vor allem in der Verdichtung nach der Pause. Am Anfang nämlich, und das ist der einzige große Einwand, gibt es allzu viel Ablenkung. (...)Doch dieses Ensemble kommt mühelos ohne solch Beiwerk aus, es bietet fantastisches Theater. Als dubioser Titelheld steigert sich Cornelius Obonya in unglaubliche Intensität. Wenn er mit Politikern redet, verströmt er Unsicherheit,wenn er dem Volk begegnet, Aggression.Im Krieg scheint er Erfüllung zu finden, ganz menschlich aber wird er bei der Begegnung mit seiner Mutter, Volumnia, die von (seiner wirklichen Mutter) Elisabeth Orth gespielt wird. Volumnia, früh verwitwet, hat den einzigen Sohn zum Helden geformt. Jede Geste zwischen den beiden verrät, wer hier das Sagen hat. Sie will ihn als Konsul sehen, doch eines hat die Mutter bei diesem heiklen politischen Kalkül nicht berechnet: Coriolan kann nicht herrschen, weil er so unbeherrscht ist. Weder die Hilfe des geschmeidigen väterlichen Freunds Menenius Agrippa (Martin Reinke), noch jene des alten Konsuls Cominius (Bernd Birkhahn) vermögen diese Schwäche mit blendender Rhetorik abzugleichen. Am Ende verlangt die dominante Natter ein weiteres Opfer vom Sohn. Die Volkstribunen haben leichtes Spiel: Sylvie Rohrer brilliert als Sicinia Veluta. Sie erweckt Hass. Hermann Scheidleder überzeugt als Junius Brutus - ein feiger Funktionär, der Verachtung hervorruft. Diese populistischen Spin-Doktoren wollen Coriolan beseitigen, sie fürchten seine unberechenbare Macht und drücken die richtigen Knöpfe. Der Held wird zum Antihelden und muss zur Strafe in die Verbannung.Er schließt sich dem alten Feind an, dem Volsker Tullus Aufidius Markus Meyer und Obonya zelebrieren diese seltsamen Szenen einer Männerfreundschaft hemmungslos. Coriolan ist im vertrauten Umfeld: Krieg! Es geht gegen Rom. Er merkt zu spät, dass auch der neue Partner Intrigen spinnt. Wer aber rettet Rom? Noch einmal muss die Mutter agieren, sie bittet um Verschonung der Stadt und verlangt dafür ein weiteres Opfer vom Sohn, das[ größte. Ihre Körpersprache sagt, dass beide längst wissen, welche Ungeheuerlichkeit nun geschehen wird.(DIE PRESSE, NORBERT MAYER, 18.9.16)
 

 

Macht und Ohnmacht
Eine höchst zeitgemäße Parabel über Macht, Ohnmacht, Militär und Politik also, die Regisseurin Carolin Pienkos in einer nicht näher bestimmten Gegenwart (Kostüme: Heide Kastler) verortet. (...)Waterboarding und etwas Folter werden (eher dezent) angedeutet, ein an Brecht gemahnender Chor darf zu Beginn als klagendes Volk Aufstellung beziehen. Sonst setzt Pienkos weitgehend auf ihre Darsteller und auf die Sprache Shakespeares. Und die ist beim Ensemble des Burgtheaters in der (Übersetzung von Rainer Iwersen) naturgemäß in besten Händen. DER KURIER, PETER JAROLIN18.9.16
 
Carolin Pienkos inszenierte Shakespeares „Coriolan“ als gegenwärtiges, politisches Drama (...) Mit Anspielungen an aktuelle Ereignisse – wie Wahlzettel – erarbeitete Pienkos ein fein ziseliertes politisches Schauspiel in kurzen Szenen. NEWS, 17.9.16
 

Cornelius Obonya stellt eine kraftvolle Persönlichkeit aufdie Bühne desAkademietheaters und zwingt sein Publikum in jedem Augenblick, ihm zu folgen. Natürlich wird vor allem das Zusammenspiel von Mutter und Sohn mit Argusaugenverfolgt und ist, als programmiertes Highlight, bis zur kleinsten Handbewegung ausinszeniert. Und natürlich beeindruckt Orth als Volumnia, eine dieser selbstbezogenen Heldenmütter, die den Tod ihrer Söhne im Sinn eines höheren Zieles als Opfer verstehen wollen. Anerkennender Premierenapplaus.TIROLER TAGESZEITUNG, BERNADETTE LIETZOW, 18.9.16